Brauchtum

Brauchtum

Seit jeher war es Brauch, um den Jahreswechsel herum den Segen für Haus und Hof zu erbitten. In manchen Regionen geschah dies durch Versprengen von Weihwasser, in anderen sorgte das „Rach’n“, das Ausräuchern von Haus und Stall, für Schutz und Segen. Im südsteirischen Maltschach übernahmen diese Aufgabe von jeher die Hl. Drei-königs-Kreuze.

Es war der Tag vor Hl. Dreikönig, an dem man in den vergangenen Jahrhunderten dafür sorgte, dass die himmlischen Mächte wohlgestimmt sind und erkennen, wo redliche und gläubige Menschen ihr Hab und Gut haben. Gut erinnert man sich noch daran, wie mit dem Vater jener Palmbuschen, der die stärksten Weiden hatte, zerlegt wurde und wie man dann aus diesem Holz die Hl. Dreikönigs-Kreuze schnitzte. Die kleineren wurden auf das Brunnenhäuschen, die Stalltür, die Keller- und Haustür genagelt, die größeren kamen auf die Getreideäcker. Oft war es so, erzählte man mir, dass man als Kind vor lauter Schnee den Acker nicht fand, aber zum Glück wurde man ja von der Mutter mit dem Weihwasser begleitet. Diese Aufgabe war Pflicht an jenem besonderen Tag, denn sonst hätte der Vater kein ruhiges Dreikönigsfest gehabt. Die Mutter sorgte mit dem Versprengen des Weihwassers noch zusätzlich für Schutz und Segen auf unseren Äckern und Gebäuden. Beinahe drohte dieser schöne Brauch in Vergessenheit zu geraten, bis die Feuerwehr Maltschach überlegte, wie sie der Bevölkerung ein Dankeschön für die gute Unterstützung zukommen lassen könne. Im Jahr 1976 wurden die ersten Hl. Dreikönigs-Kreuze geschnitzt und verschenkt.

 

Die Arbeit dafür beginnt bereits beim Schnitt. Es ist wichtig, den Weidenstock, der das Palmholz hervorbringt, ganz zurückzuschneiden, denn nur so erhält man wunderbar starke und lange Palmzweige. Diese werden vor Palmsonntag zu einem Palmbuschen gebunden, aber nicht zu irgendeinem Palmbuschen, vielmehr sprechen wir hier von 30 Metern und mehr. Ihren Rekord stellten die Florianijünger zu ihrem 70-Jahr-Jubiläum auf, denn damals trug man einen 72,3 Meter langen Buschen zur Kirche. Nach der Segnung bringen die Feuerwehrleute ihren Buschen zum Feuerwehrhaus, dort wird er zerteilt und am Turm des Feuerwehrhauses befestigt. In der Vorweihnachtszeit ist es dann soweit: Das Palmholz ist mittlerweile knochentrocken und ebenso hart. Da machen sich die freiwilligen Helfer an die Arbeit, um den Buschen zu zerlegen und aus den schönsten Hölzern ihre Hl. Dreikönigs-Kreuze herzustellen. Dabei wird gesägt, geschnitzt und gesteckt, sind es doch an die 600 Kreuze, die gemacht werden müssen. Dass dabei die Geselligkeit und so manche Geschichten nicht zu kurz kommen, ist selbstverständlich.

Beginnt das neue Jahr, machen sich die Mitglieder der Feuerwehr Maltschach auf den Weg, um jedes Haus der Region zu besuchen. Viele Menschen warten schon auf diesen Segensgruß und nehmen die Kreuze als Erinnerung an längst vergangene Zeiten und als Dankesgabe gerne entgegen.

So schaffte es ein Verein, die Freiwillige Feuerwehr Maltschach, ein altes Brauchtum zu bewahren und mit ihren Hl. Dreikönigs-Kreuzen alljährlich Schutz und Segen in die Häuser der Menschen zu tragen.