Kesselflicker

Kesselflicker

Längst vergessen sind so manche Berufe, die vor wenigen Jahrzehnten noch gang und gäbe waren und dafür sorgten, dass der eine oder andere eine Grundlage hatte, um sein Auskommen finden zu können.


Die Kessel- oder Pfannenflicker gehörten zum sogenannten mobilen Handwerk.
Ihre Tätigkeit bestand darin, schadhaftes Buntmetallblechgeschirr zu reparieren.

Koch- und Bratgeschirr war früher entweder aus Schmiedeeisen oder aus Kupfer- bzw. Messingblech gemacht. Auch bestimmte Wasserkessel und große Waschkessel wurden aus Kupferblech hergestellt. Der tägliche Gebrauch hinterließ besonders am Kochgeschirr seine Spuren. Der Boden des Geschirrs wurde mit der Zeit dünner, schließlich an einer Stelle schadhaft und damit undicht. Henkel und Stiele fingen irgendwann zu „wackeln“ an, weil die Verbindung zum Topf oder zur Pfanne ausgeleiert war.

Neues Geschirr konnte man sich nur selten leisten; so wurden Töpfe und Pfannen repariert und dadurch wieder gebrauchsfähig gemacht. Gute Stücke wurden nicht nur einmal, sondern mehrfach wieder instandgesetzt, was an altem Geschirr noch heute zu sehen ist. Bei der Reparatur schadhaften Buntmetallgeschirrs kamen im Wesentlichen drei Techniken zur Anwendung: das Löten, das Nieten und das Verzinnen. Mit der Technik des Lötens konnten kleinere Schäden erfolgreich ausgebessert werden. Bei größeren Problemen musste man nieten und ganze Blechstücke neu einfügen oder das Gefäß neu verzinnen. Die Kesselflicker oder Rastelbinder, wie sie im Volksmund genannt wurden, kamen wie die Wanderhandwerker in regelmäßigen Abständen in die Dörfer und zu den Höfen und reparierten das schadhafte Geschirr direkt vor Ort oder an ihrem Lagerplatz. Sie zogen mit Wohnkarren und Familie von Ort zu Ort, lagerten neben den Dörfern und richteten dort ihre Werkstätten und Feuerstellen ein.

 

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Alte Schriftstücke beschreiben die Kesselflicker als „eine Art von Kupferschmieden, welche mit altem Kupfer und ihrem Handwerkszeuge auf dem Lande umherziehen und insonderheit den Landleuten oder an solchen Orten, wo keine ordentliche Kupferschmiede sich befindet, die schadhaft gewordenen Kessel und anderes dergleichen Gerät flicken oder ausbessern. Sie treiben sich gemeiniglich auch in den Städten auf den Straßen herum und schreien ihre Arbeit aus. Die rechten und zünftigen Kupferschmiede aber halten sie für Störer und Pfuscher.“ Die Schmiedezunft setzte teilweise Verordnungen durch, die in Orten mit Niederlassungen von Kupferschmieden den Kesselflickern die Flickarbeiten verboten. In Südosteuropa war die Reparatur metallener Küchengeräte auch eine Spezialität bestimmter Roma-Gruppen.

Von diesem Berufsstand leiten sich auch mehrere Redewendungen her: „Der schimpft/säuft wie ein Rastelbinder“ oder „Die schlagen/streiten sich wie die Kesselflicker“. Beide wollen sagen, dass man besonders laut, vulgär oder exzessiv schimpft, säuft, schlägt oder streitet. Franz Lehárs Operette „Der Rastelbinder“ spielt im ländlichen Milieu der Kesselflicker und fahrenden Handwerker in einem slowakischen Dorf. In der bildenden Kunst, vor allem in der Malerei, waren Darstellungen von Kesselflickern und ihren Familien ein beliebtes Sujet.

Noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein war das Auftreten der „Kesselflicker“ eine allgemein bekannte und manchmal schon ungeduldig erwartete Erscheinung. Heute ist dieses Gewerbe in Westeuropa gänzlich ausgestorben. Noch existierende Teile des einstigen Kochgeschirrs dienen ebenfalls nur mehr als museale Schaustücke. Gegenwärtig wird das Handwerk in Europa nur noch in Rumänien von Roma ausgeübt.