Der Aschenbrenner

Der Aschenbrenner

Längst vergessen sind so manche Berufe, die vor wenigen Jahrzehnten noch gang und gäbe waren und dafür sorgten, dass der eine oder andere eine Grundlage hatte, um sein Auskommen finden zu können.

Die Asche (Pottasche) war Jahrtausende hindurch eine wichtige Grundsubstanz, die in vielen Bereichen zum Einsatz kam. Ob bei der Seifenherstellung, der Glasproduktion, der Gerberei oder bei der Haltbarmachung (Trocknung) – Asche war unverzichtbar. So ist es auch verständlich, dass sich von alters her Berufe daraus entwickelten. Während am Land der Aschenbrenner für den wertvollen Rohstoff sorgte, waren es in den Städten die Aschenmänner, die von Tür zu Tür zogen.

Die Aufgabe eines Aschenbrenners bestand darin, Holz zu sammeln und zu verbrennen. Aus der Asche wurde dann durch Auslaugen und Sieden die Pottasche gewonnen, die beim Färben, in der Seifensiederei und für die Glasherstellung – beispielsweise in Glashütten – benötigt wurde. Historisch betrachtet, wurde Pottasche als Düngemittel, bei der Herstellung von Schießpulver und im Haushalt als Waschmittel, Weich- und Weißmacher sowie als Backtriebmittel benötigt.

Als der Waldbestand immer mehr zurückging und im 12. Jahrhundert vielerorts das Schlagen und Verbrennen von Bäumen begrenzt oder verboten wurden, sammelten die Aschenbrenner auch totes Holz aus den Wäldern sowie die Herdasche der Bevölkerung ein. Im ausgehenden 19. Jahrhundert ging der Beruf des Aschenbrenners durch die zunehmende Bedeutung der Kohle und deren Transportmöglichkeit mit der Eisenbahn zurück. Pottasche für eine industrielle Nutzung wurde nun aus bergmännisch gewonnenem Kalisalz oder im Syntheseverfahren hergestellt.

Der pfälzische Lehrer und Heimatforscher Lukas Grünenwald (1858-1937) berichtet als Zeitzeuge von seinen Jugenderinnerungen. „Diese Pottaschhütten waren kleine, viereckige Steinhäuser mit einer Stube und Küche und Holzlage darüber. In der Küchenecke stand ein großer, runder Eisenkessel im gemauerten Herde zum Pottaschsieden und ein Kamin stieg von da über das Satteldach empor. In den drei Wänden dem Eingange gegenüber waren kleine Fenster. Die nötige Holzasche wurde in allen Dörfern weithin gekauft und in Säcken auf Handkarren und Wagen auf den damals noch schlechten Straßen oft mühsam heimgebracht. In der Hütte wurde sie zuerst kalt beigesetzt, d.h. in grauen Weidenkörben, die innen mit Leinwand ausgeschlagen waren und über Laugbütten standen, mit Bachwasser übergossen und durchsickert, bis sie ganz ausgelaugt war. Die Mutterlauge wurde dann im Herde so lange gesotten, bis nur noch die weiße, kostbare Pottasche übrigblieb, die um teuren Preis an Glashütten verkauft wurde.“ – Lukas Grünenwald, 1875

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ASCHENMANN

Im Wien des 18. und 19. Jahrhunderts war das Heizen mit Holz gebräuchlich. Das Heizen mit Kohle nach englischem oder belgischem Vorbild setzte sich bis ins 19. Jahrhundert nicht durch. Laut der Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt Wien von Johann Pezzl (1802) wurde in einem Wohnhaus täglich rund ein Klafter Holz (umgerechnet rund eineinhalb Festmeter) verheizt. Das Heizen mit Holz führte zu Verbrennungsrückständen in Form von Holzasche. Diese wurde von Aschenmännern mit einer Krücke aus dem Ofen oder Herd geholt und in hölzerne Butten, die sie auf dem Rücken trugen, gefüllt. Meist handelte es sich um Personen aus unteren sozialen Schichten, die das Einsammeln der Asche besorgten. Neben Krücke und Holzbutte trugen sie eine Schürze (Fürtuch) und einen Hut mit breitem Rand. Ihr Einkommen erzielten sie durch den Verkauf der gesammelten Holzasche an Seifensieder und Leinwandbleicher. Sie waren gewohnte Erscheinungen des Alltagslebens, machten mit dem Ruf An’ Oschn! An’ Oschn! auf sich aufmerksam und gingen wahrscheinlich innerhalb eines bestimmten Gebiets von Haus zu Haus.

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