ZEITREISE: die Sulmtalbahn

ZEITREISE: die Sulmtalbahn

Die Sulmtalbahn ist noch heute in den Erinnerungen der Menschen tief verankert. Immer wieder wird uns davon berichtet, wie die Bahn ihre rauchende Spur entlang der Sulm von Leibnitz bis nach Pölfing-Brunn zog.

Von den ersten Planungen bis zur Eröffnung war es ein weiter Weg: Bereits 1850 plante Wenzel Radimsky den Bau einer Bahnverbindung von Wies-Eibiswald ins Sulmtal und weiter durch den Radlberg ins Drautal. Das Interesse galt damals der Beförderung der abgebauten Kohle aus dem Raum Wies-Eibiswald, Steyeregg und Pölfing-Brunn.

Doch diese und weitere Pläne wurden nicht realisiert. Erst mit einem Landesgesetz von 1890 zur Förderung des Lokalbahnwesens wurden dem Bau der Sulmtalbahn neue Chancen eröffnet. Nach einer eingehenden Überprüfung der Wirtschaftlichkeit und nach Überwindung finanzieller und bürokratischer Schwierigkeiten war es dann soweit: Im Oktober 1903 beantragte das Exekutivkomitee beim Landesausschuss (so hieß damals die heutige Landesregierung) den Bau einer normalspurigen Lokalbahn von Leibnitz über Pölfing-Brunn nach Eibiswald. Der Bau der Sulmtalbahn sowie die Verlängerung von Pölfing-Brunn bis Eibiswald wurden im Dezember 1904 genehmigt. Am 11. März 1906 erfolgte in Leibnitz der erste Spatenstich und nur eineinhalb Jahre später, nämlich am 13. Oktober 1907, wurde die Sulmtalbahn eröffnet.

Die Sulmtalbahn führte von Leibnitz in Richtung Norden auf einem eigenen Gleis entlang der Südbahntrasse und zweigte nördlich von Leibnitz nach Kaindorf/Sulm ab, wo sie über eine prächtige Stahlbogenbrücke die Laßnitz überquerte. Danach ging es entlang der schmalen Talsohle zwischen Kogelberg und Schloss Seggau über Heimschuh und Fresing nach Gleinstätten. Einige Kilometer nach Gleinstätten überquerte die Sulmtalbahn den Leibenbach und die Schwarze Sulm und fuhr teilweise entlang der GKB-Strecke nach Wies über Pölfing-Brunn. Die insgesamt 24,7 km lange Strecke führte über 13 Brücken und über 70 Wegübergänge. Die Verlängerung von Pölfing-Brunn nach Eibiswald wurde nie realisiert, stattdessen wurde eine 3,6 km lange Materialseilbahn von Eibiswald zum Bahnhof Pölfing-Brunn gebaut, um die im Eibiswalder Charlotte-Marie-Schacht gewonnene Kohle zu transportieren. So blieb Eibiswald bis heute ohne Bahnanschluss.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs stiegen die Beförderungszahlen durch die starken Verkehrszuwächse auf der Sulmtalbahn enorm an, da die Bahn während des Balkanfeldzugs (April/Mai 1941) im Aufmarschraum der Deutschen Wehrmacht lag. Der Krieg hinterließ auch auf der Sulmtalbahn seine Spuren. So konnte die Bahn von November 1944 bis Juni 1945 nur von Wies-Eibiswald bis Heimschuh geführt werden, da immer wieder Luftangriffe die Sicherheit der Fahrgäste gefährdeten.

Die permanent stärker werdende Konkurrenz durch die steigende Mobilität und die verheerende wirtschaftliche Lage führten letztendlich dazu, dass die Sulmtalbahn am 27. Mai 1967 eingestellt wurde. Auf Verlangen des Landes Steiermark blieb der Oberbau vorerst erhalten, da man beabsichtigte, das Sulmtal beim Bau einer künftigen Koralmbahn zu berücksichtigen. Schließlich wurden im Oktober 1976 die Schienen zwischen Leibnitz und Gleinstätten abgetragen und an die VOEST-Alpine AG Linz verkauft. Auf dem 6,1 km langen Reststück von Pölfing-Brunn nach Gleinstätten werden heute noch Güterzüge geführt.

Die Bevölkerung lässt die Erinnerung an diese Bahnlinie weiterleben. So findet man in einigen Gasthäusern noch Wandbilder dieser Lokalbahn; vor allem erzählen die Menschen noch immer gern ihre Geschichten über den Sulmtaler und wie er schnaufend und fauchend seine rauchige Spur durchs Sulmtal zog.

QUELLE: AUS DEM BUCH "GESTERN NOCH" http://steirerlodn.at/produkt/do-bin-i-her-gschichtn-aus-dem-sulmtal-sausal/